NeuigkeitenUnternehmerin Jutta Goedicke im Interview

Unternehmerin Jutta Goedicke im Interview
Eine der ersten Unternehmer*innen, die das Team der Digitalagentur Berlin bei einem Digitalisierungsvorhaben begleiten durfte, war die Inhaberin des Spielzeugladens „Löwenzahn“ in Berlin Lichterfelde-Ost und Vorsitzende des Vereins „Mein LiLa – Lichterfelde/Lankwitz“ Jutta Goedicke. In einem Interview verriet sie uns unter anderem, welche Idee sie gut durch die Pandemie brachte und wie sie die Zusammenarbeit mit der Digitalagentur empfand:

Wie sind Sie auf die Spielzeugbranche gekommen?
Ich arbeitete ursprünglich als Beamtin bei der Telekom und hatte, als ich meine Kinder bekam, die Möglichkeit, insgesamt 12 Jahre beurlaubt zu werden. In dieser Zeit habe ich meine Kreativität entdeckt und angefangen, Kinderkleidung zu nähen und diese zu verkaufen. Durch den Kontakt zu einer Bekannten, die Kindermode auf verschiedenen Märkten verkaufte, kam die Idee zu einem gemeinsamen Ladengeschäft, in dem wir füreinander arbeiteten. Also jeder war selbstständig und hat für den anderen mitgearbeitet. Da wir uns dabei natürlich keine Konkurrenz machen wollten, kam ich darauf, in Ergänzung zur Kinderkleidung Spielzeug zu verkaufen. Das war dann ungefähr ein Jahr, bevor ich wieder in meinen alten Beruf hätte zurückkehren sollen. So hatte ich also diese Zeit, um meine Selbständigkeit zu erproben. Letzten Endes habe ich den Schritt gewagt und wurde schließlich für neun Jahre Untermieterin in der besagten Boutique. Es hat mir unheimlich viel Freude gemacht, in dieser Zeit verschiedene Dinge auszuprobieren. Außerdem war es ein interessantes Modell, das sich damals gut mit den Anforderungen unserer jungen Familie in Einklang bringen ließ, auch wenn anfangs natürlich jeder Cent sofort wieder in mein Projekt und in das Sortiment floss. 2005 schließlich habe ich dann die Möglichkeit ergriffen, meine eigene Ladenfläche zu beziehen. Sie müssen sich vorstellen, dass ich bis zu dem Zeitpunkt kein eigenes Schaufenster, keine Werbung an der Fassade, also schlicht gar keine Sichtbarkeit besessen hatte und das änderte sich nun. Ich konnte auf meiner 40 Quadratmeter großen Verkaufsfläche mein kleines, aber ausgewähltes Sortiment entwickeln, meine Ladenfläche individuell nach meinen Wünschen und entlang der Rückmeldungen und den Bedürfnissen meiner Kund:innen gestalten. Auf diese Weise baute ich mir Schritt für Schritt meine Idee eines Spielzeugladens auf. Dazu gehörte ein großer „Schnullerbaum“ für die Übergabe des letzten Schnullers an die „Schnullerfee“, eine Raumaufteilung mit vielen Ecken und Winkeln, die erst entdeckt werden müssen und eine verspielte Dekoration auf allen Ebenen.

Wie kamen Sie eigentlich auf den Namen „Löwenzahn“?
Ach, ich glaube, das hatte mit meiner kleinen Tochter zu tun, die sehr gern die gleichnamige beliebte Sendung sah. Auch wollte ich nicht, dass mein Geschäft einen dieser schon arg gebrauchten Namen trägt – „Juttas Stübchen“ oder etwas in dieser Richtung kam also nicht in Frage.

Wer sind Ihre Kund:innen?
Viele kommen aus dem Kiez, also aus Lichterfelde Ost. Ich merke, wie dynamisch die Entwicklung in den letzten Jahren hier verläuft. Es findet ein Generationenwechsel statt, der viele junge Familien in den Kiez bringt. Oft werden auch die großen alten Grundstücke geteilt und Bauland für neue Häuser geschaffen. Es ist interessant, diese Entwicklung zu beobachten – und klar, als Unternehmerin profitiere ich auch davon.

Mit welchen Hindernissen hat die Branche zu kämpfen?
Ganz allgemein ist ein Wandel im Kaufverhalten zu spüren. Sie bekommen Spielzeugartikel inzwischen auch im Supermarkt und natürlich spielt der Onlinehandel eine ganz gewichtige Rolle. Da kann ich nicht mithalten, aber andererseits ist das auch gar nicht mein Ziel. Ich möchte für die Kleinen Kindheitserinnerungen schaffen und den Erwachsenen durch gute Beratung die Vielfalt von Spielzeug und Geschenkideen aufzeigen. Das kann kein Onlineshop. Die Pandemie war eine große Herausforderung. Allerdings habe ich zum Beispiel dadurch mit der Entwicklung meines eigenen Webshops begonnen. Ich habe dann die von meinen Kund:innen bestellten Produkte mit dem Fahrrad ausgeliefert, wovon wiederum unter anderem die Abendschau erfuhr. Der daraufhin entstandene Beitrag half natürlich meine Bekanntheit zu steigern. Es war ein gutes Gefühl, dass ich mir dadurch selbst durch diese schwierige Zeit helfen konnte.

Wie sind Sie auf die Digitalagentur Berlin gekommen?
Das war Ende letzten Jahres. Über die Standortgemeinschaft, deren Vorsitzende ich bin, erreichte uns seitens der Wirtschaftsförderung die Einladung zu einem sogenannten Einzelhandelsfrühstück, was ein Format von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie in Kooperation mit der Digitalagentur Berlin ist. Dabei geht es ganz einfach gesagt darum, in entspannter Atmosphäre Interessierten der Branche den Austausch zu Themen rund um die Digitalisierung zu ermöglichen. Ich fand das ungeheuer spannend und bin dahin gegangen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit der Digitalagentur Berlin erlebt?
Ich habe die Zusammenarbeit als sehr bereichernd erlebt, denn ich hatte sehr schnell das Gefühl, dass dort Menschen tätig sind, die tatsächlich an meiner Geschichte und an meinen Bedürfnissen interessiert sind – und die mir ihre Hilfe anbieten. Ob es um die Unterstützung bei der Recherche nach geeigneten Kassensystemen oder um die Beratung für geeignete Fördermöglichkeiten ging, ich habe mich stets gut aufgehoben und betreut gefühlt und wusste, dass ich mich auf die Kolleg:innen verlassen konnte – was natürlich gerade dann umso wichtiger ist, wenn man selbst noch ein wenig unsicher mit diesen Themen und deshalb zurückhaltender ist. Auch habe ich mir in der Vergangenheit so meine Gedanken im Hinblick auf meine Nachfolge gemacht und bin jetzt auch in diesem Punkt deutlich zuversichtlicher und beruhigter, weil ich weiß, dass mein Geschäft wieder ein Stück besser aufgestellt ist.

Was haben Sie zusammen konkret umgesetzt?
Für mich stand vor allem die Anschaffung eines digitalen Kassensystems im Mittelpunkt. Das war wirklich sehr wichtig. Meine alte Kasse, die mich seit Jahren zuverlässig begleitet hatte, war nicht mehr auf dem Stand der Zeit – also ich spreche auch von „TSE“ und den inzwischen geltenden Vorgaben seitens der Finanzbehörden. Zuallererst ging es aber darum herauszufinden, welche Fördermöglichkeiten es möglicherweise geben könnte, denn die Anschaffung eines solch modernen Systems und die Implementierung sind ja auch mit einigen Kosten verbunden. Nachdem wir zusammen einige Systeme in die engere Wahl gezogen hatten – die Auswahl ist doch recht groß und für den Laien zunächst schwer überschaubar –, haben wir in den Räumen der Digitalagentur Berlin Gespräche mit einigen vielversprechenden Anbietern geführt. So konnte ich mich schließlich für eines entscheiden, das gut zu meinen Anforderungen und Wünschen passte. Nach erfolgter Bewilligung meines Förderantrags und einem kleinen Vorlauf für die notwendige Einrichtung ist das System nun seit Anfang Juli in meinem Laden erfolgreich im Einsatz.

Was würden Sie anderen Unternehmer:innen hinsichtlich der Digitalisierung auf den Weg geben?
Ich denke, dass ein Unternehmen auf lange Sicht nicht um die Digitalisierung herumkommen wird. Das gilt aber auch für öffentliche Einrichtung und Verwaltungen. Wir wissen doch alle, dass wir in Deutschland bei diesem Thema noch nicht gut genug aufgestellt sind. Da hilft es nicht, die Rückständigkeit des Staates zu belächeln, vielmehr sollte jeder Unternehmer bei sich selbst anfangen. Die berühmten kleinen Schritte, mit dem jeder Weg beginnt. Neben der Mühe, die solch eine Umstellung mit sich bringt, war es aber auch beruhigend zu wissen, dass es auf alle Fragen Antworten gibt und dass man damit nicht allein gelassen wird. Durch die Digitalagentur Berlin bekam ich nicht nur die entsprechenden Beratungsmöglichkeiten, sondern auch tatkräftige Hilfe. Und wenn ich jetzt von meinen Mitarbeiter:innen höre, dass ihnen die Arbeit mit dem System Spaß macht und es viel unkomplizierter als befürchtet ist, dann bin ich einfach froh, dass wir das angepackt haben.